Indien’s aufstrebende Startup Szene

Mehr als exotische Tempel und farbenfrohe Märkte

Indien ist nach wie vor ein traumhaftes Reiseland mit einer atemberaubenden kulturellen Vielfalt. Das Land verzaubert mit seinen magischen Tempeln, exotischen Gaumenfreuden und einer unverfälschten Gastfreundschaft, die einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht zu entstammen scheinen.

Nicht so sehr bekannt ist indessen, dass die, bezogen auf ihre Bevölkerungszahl, größte Demokratie der Welt seit wenigen Jahren eine florierende Start-up-Szene vorweisen kann. Die erfolgversprechendsten Jungunternehmen finden sich dabei im Bereich der Software- und Informationstechnologie, dicht gefolgt von der Gesundheits- und Lebensmittelbranche. Schließlich stehen viele Indienreisende staunend vor neu eröffneten Grundstücks-, Immobilien- und Reisevermittlungsagenturen.

Start-up India Action Plan von höchster Stelle

Zu Beginn des Jahres 2017 stellte Premierminister Narendra Modi der Öffentlichkeit einen 19 Punkte umfassenden Plan zur Förderung junger Start-ups vor. Vorrangiges Ziel ist es, das Land für Investoren aus Europa und den USA noch attraktiver zu machen. Dies geschieht in Form von Gründerfonds, attraktiven Steuernachlässen und zahlreichen Maßnahmen zur Beseitigung unnötiger Bürokratie und Korruption. Parallel steht die Modernisierung des gesamten Straßen- und Schienennetzes auf der Agenda.

Unerschöpflicher Markt an Fachkräften und Konsumenten

Mit seinen 1,3 Milliarden Menschen weist zumindest das städtische Indien nicht mehr die typischen Merkmale eines Entwicklungslandes auf. Handy und Internet haben in breiten Bevölkerungsschichten Einzug gehalten. Bildung, Wohlstand und ein schönes Zuhause sind die erstrebenswertesten Ziele der jungen Generation, entsprechend attraktiv ist der Markt an Fachkräften und potentiellen Kunden. Vor allem in den größeren Städten frönt eine wachsende konsumfreudige Mittelschicht in ihrer Freizeit ihrem neuesten Hobby: dem Einkaufen und Konsumieren.

Zweites Silicon Valley

Das Zentrum der Start-up-Kultur befindet sich in den Metropolen Bangalore und Delhi. Längst haben sich Investoren aus Europa gefunden, die das indische Know-how nicht nur mit Kapital, sondern vor allem als Berater unterstützen. Mit seinen alleine im Jahre 2015 knapp 5000 Neugründungen im Bereich der Computertechnik, davon alleine 600 in Bangalore, belegt das Land mittlerweile hinter den USA und Großbritannien den dritten Rang.

Onlineshops auf dem Vormarsch

In ihrem Freizeit- und Konsumverhalten unterscheidet sich Indiens Jugend kaum von uns Europäern. Einkaufen, Schnäppchenjagd und seit kurzem auch Onlineshopping gehören zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen.

Die beiden Onlinemarktplätze <strong>Snapdeal</strong> (Firmensitz Neu-Delhi) und <strong>Quikr</strong> (Bangalore) begannen 2010 als kleine Börsen für Mode, Bücher und Kosmetik. Die ursprüngliche Idee war es, Einzelhändlern die hohen Mieten für Geschäftsräume zu ersparen und der Kundschaft von Anfang an eine breite Produktpalette zu präsentieren. Innerhalb eines Jahres erweiterte sich das Angebot um die Sparten Computer, Elektronik und Gaming über Sport und Fitness bis zu Grundstücken und Immobilien. Unter Investoren gilt Snapdeal als das indische Amazon, die aktuell 30 Millionen Produkte verkaufen sich weltweit.

Frei von Existenzängsten

Während vielen Europäern die Angst vor wirtschaftlichem Abschwung und Arbeitslosigkeit im Nacken sitzt, scheint der Optimismus der indischen Jugend unerschöpflich. Gerade erst bitterer Armut entkommen, streben sie unermüdlich nach Bildung und schrecken auch vor größeren Herausforderungen nicht zurück. Teilzeitarbeit neben Schule und Studium gilt als normal und so manches Startup beginnt als Produkt einer Gruppe von Collegestudenten. Die bekannte Mc Kinsey Company geht davon aus, dass sich die Einkommen der gut ausgebildeten indischen Facharbeiter und Akademiker in den nächsten 20 Jahren verdreifachen werden.