Tipps für Geschäfte in Indien

In Indien gibt es lukrative und vielfältige Gelegenheiten für ausländische Investoren und Exporteure. Die Bevölkerung ist gigantisch und das Land weist ein exponentielles Wirtschaftswachstum auf. Die indische Regierung hat viele institutionelle Reformen initiiert, um die Geschäfte zu verbessern. Im Bericht „Doing Business“ der Weltbankgruppe hat Indiens Rating im letzten Jahr einen großen Sprung nach oben gemacht. Wenn man nach der Einfachheit geht, Geschäfte in den Ländern der Welt zu tätigen, liegt Indien jetzt auf Platz 100. Im Jahr 2016 war es noch Platz 130.

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Indien ist ein fantastisches Land für Geschäfte und die Überlegung lohnt sich. Man sollte sich jedoch zuerst mit der regionalen Geschäftsetikette vertraut machen. Wann immer Geschäfte mit Partnern im Ausland getätigt werden, sollte man etwas über deren Kultur in Erfahrung bringen. Das ist nicht nur höflich, sondern auch eine gute Strategie für den Aufbau einer erfolgreichen Partnerschaft.  Wer die kulturellen Unterschiede kennt, vermeidet, potentielle Geschäftspartner zu beleidigen und kann starke Geschäftsbeziehungen aufbauen. Die Geschäftswelt in Indien ist gar nicht mal so anders als in der westlichen Welt. Es gibt jedoch einige Unterschiede, die man für einen reibungslosen Geschäftsablauf verstehen sollte.

Zeitgefühl und Realitätssinn

Ein integraler Bestandteil unseres Realitätssinns ist unser Verständnis der Zeit. Im Gegensatz zu Menschen aus westlichen Kulturen, wo Zeit als lineare und planbare Gegebenheit wahrgenommen wird, sehen Inder die Zeit als zyklisch und Geschehnisse als unvorhersehbar. Aufgrund ihrer Erkenntnis, dass das Leben unvorhersehbar ist, überlassen die Inder es gern der Zeit, die Dinge zu richten. Dies steht im krassen Gegensatz zur westlichen Einstellung zu Dringlichkeit und Abgabeterminen. Wenn Sie lernen können, sich zu entspannen und darauf zu vertrauen, dass die Zeit alles richten wird, werden Ihre Geschäftsbeziehungen mit indischen Partnern viel zufriedenstellender.

Wo wir gerade beim Thema sind: Inder sehen Pünktlichkeit entspannt. Wenn das Meeting also für 10:00 Uhr anberaumt wurde, wundern Sie sich nicht, wenn manche erst um 10:30 Uhr antanzen. (Inder tätigen Geschäfte mit westlichen Standards verglichen übrigens eher später am Tag und werden Meetings meistens für den späten Vormittag oder sogar den späten Abend einberufen).

Da die Zeit und das Leben an sich nicht in spezifische Kategorien unterteilt werden, zum Beispiel das Leben zu Hause und die Arbeit, arbeiten Inder eigentlich immer – selbst, wenn sie sich mit Freunden treffen oder Chai trinken. Alle Lebensbereiche fließen ineinander und der Arbeitstag beginnt und endet nicht zu einem festen Zeitpunkt. Das Leben und die Arbeit bilden eine Einheit. Die Inder haben auch nicht im westlichen Sinne am Wochenende frei. Nach westlichen Standards wirkt das Arbeitsumfeld viel entspannter, da das Privatleben und die Arbeit fließend ineinander übergehen und das Hauptaugenmerk nie ganz auf der Arbeit liegt.  Aber Achtung: Sie wird auch nie ganz vergessen.  Leben IST Arbeit. Entspannen Sie sich also.

Kommunikation

In Indien gibt es 22 Amtssprachen und Hunderte von Minderheitssprachen. Außerdem gibt es Hunderte von verschiedenen Kulturen und Weltsichten. Auch wenn Ihr Geschäftspartner wahrscheinlich Englisch spricht, bedenken Sie: Verstehen beinhaltet mehr als nur den Wortlaut. Sie werden sicher sein wollen, dass beide Parteien wissen, was abgesprochen wird. Wenn Sie sich auf Ihre Auslegung der Worte verlassen, kann es Ärger geben.

Inder sind nicht sehr direkt und sagen nicht gerne „Nein“. Sie sind stets bemüht, die Harmonie in einer Gruppe zu bewahren und legen spezifische Informationen nicht immer deutlich dar. Um direkte Antworten auf Ihre speziellen Fragen zu erhalten, sollten Sie sie auch entsprechend formulieren: Zum Beispiel sagen Sie lieber „Was/Wie viel können Sie liefern?“ statt „Können Sie die Menge X an Y liefern?“

Bedenken Sie, dass Geduld beim Lösen von Problemen entscheidend ist. Sie wollen auf den Punkt kommen, aber extreme Direktheit wird als unhöflich empfunden, da sie im Widerspruch zur „Zwischenmenschliches geht vor“-Philosphie der Inder steht.

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Gruppen vs. Einzelpersonen

Menschen aus der westlichen Welt sind in ihrem Denken und Handeln eher auf das Individuum ausgerichtet. Die Inder haben dagegen eine kollektive Mentalität und handeln entsprechend. Die Gruppe steht über dem Einzelnen und die Harmonie innerhalb der Gruppe ist das höchste Gut. Eine Firma ist wie eine Familie.  Zwischenmenschliche Beziehungen sind von größter Bedeutung.

Sie sind also nicht nur GeschäftspartnerIn, sondern auch ein Mitglied einer Familie. Man wird Sie zum Essen nach Hause einladen, das Gleiche erwartet man von Ihnen. Meetings sollten mit einer freundlichen und beiläufigen Unterhaltung beginnen, statt sich von der ersten Minute um Geschäftliches zu drehen. Bei Ihrem ersten Zusammentreffen werden geschäftliche Dinge vielleicht gar nicht angesprochen – schließlich sind die Knüpfung einer guten Beziehung und der Aufbau eines guten gemeinsamen Verständnisses die Voraussetzung für gute Verhandlungen. Nur keine Hast – das wäre extrem unhöflich. Entspannen Sie sich und lernen Sie Ihre Partner kennen.

In Unternehmen entspricht die betriebliche Organisation dem Aufbau einer Familie und der/die CEO ist wie das Familienoberhaupt. Ihm oder ihr wird der größte Respekt gezollt. Menschen aus westlichen Kulturen kommt er oder sie möglicherweise etwas selbstherrlich vor. Zugleich gehen seine oder ihre Verpflichtungen gegenüber der Belegschaft allerdings auch über das hinaus, was im Westen als eine gute Arbeitsbeziehung gilt.

In einem Meeting ist oft nicht ganz klar, wer die Verantwortung trägt. Sie sprechen möglicherweise mit 4 oder 5 Personen, wobei das höchstrangige Mitglied der Gruppe sich nicht einmal aktiv am Gespräch beteiligen muss. Stattdessen evaluiert diese Person die Lage, während der Rest der Gruppe die Verhandlungen führt. Wenn Sie auf dieses Organisationsschema vorbereitet sind, ersparen Sie sich einige Verwirrung.

Flexibilität und Geduld

Der wichtigste Aspekt bei der Zusammenarbeit mit indischen Geschäftspartnern ist Geduld. Die Dinge werden in Indien nun mal anders gehandhabt und je flexibler Sie sich zeigen und je mehr Sie von westlichen Idealen abrücken, desto einfacher haben Sie es.

In Indien kann die Zeit schnell oder langsam vergehen. Man weiß einfach nicht, ob eine Lieferung in einem Tag oder in einem Monat eintrifft. Bleiben Sie offen und flexibel: Am Ende wird alles gut. Selbst wenn der Deal schon abgeschlossen ist, werden Sie merken: Nachverhandlungen gehören zum Geschäftsleben in Indien dazu. Die Dinge sind stets im Fluss und das Leben ist unvorhersehbar, also muss man auch bei Geschäften „flüssig“ bleiben.

Machen Sie sich auch darauf gefasst, häufig unterbrochen zu werden. Inder sind echte Multitasking-Talente und weil Leben und Arbeit ohnehin nahtlos ineinander übergehen, sind die Handys nie ausgeschaltet und Anrufe werden auch inmitten einer Präsentation entgegengenommen. Ein Besucher könnte vorbeischauen und von Ihrem Meeting ablenken. Schwimmen Sie mit dem Strom. Lassen Sie Ihren westlichen Fokus auf „nur Eins zur Zeit“ hinter sich und vertrauen Sie darauf, dass Ihr Gastgeber den roten Faden dort wieder aufnimmt, wo Sie ihn fallen lassen. Inder sind es gewohnt, vieles gleichzeitig zu erledigen. Die Sorge, ignoriert oder vergessen zu werden, ist also absolut unbegründet.

Siehe auch: WAS FRAUEN AUF INDIENREISEN BEACHTEN SOLLTEN