Indiens Bargeldentwertung

Die Fakten

Am 08. November 2016 erklärt die indische Regierung unter Premierminister Narendra Modi in einer Nacht- und Nebelaktion die 500 und 1000 Rupien Scheine für ungültig.
Dadurch haben ca. 86 % des im Umlauf befindlichen Geldes seinen Wert verloren. Das noch gültige Geld und die neu gedruckten Banknoten reichen nicht aus, um die Bevölkerung mit Geld zu versorgen, der Nachschub an neuen Scheinen ist sehr schnell ins Stocken geraten.
In der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens bricht das Chaos aus, viele Menschen können sich nicht einmal das Lebensnotwendigste kaufen.

Das Ziel

Indien kämpft seit Jahrzehnten gegen eine Schattenwirtschaft, Korruption und Geldwäsche. Um das Schwarzgeld aus dem Verkehr zu ziehen, entwertet die Regierung die beiden größten Geldscheine.
Sie greift zu diesen drastischen Massnahmen, um ihr Wahlversprechen einzulösen „Indien aufzuräumen“. Nur 3 % der indischen Bevölkerung zahlen Steuer. Diese Minderheit bekommt sogar eine Urkunde verliehen, als Dank für ihre Ehrlichkeit. Die Digitalisierung der Bankgeschäfte soll vorangetrieben werden, mehr Geldgeschäfte sollen online abgewickelt werden.

Die Menschen

Die Auswirkung der Geldentwertung trifft die arme Bevölkerung am härtesten. Im Schwellenland Indien sind noch ca. 60 % der Bevölkerung Analphabeten. Der Anteil der Menschen unterhalb der Armutsgrenze beträgt fast 30 %. Religion und Kastenzwang vor allen in den ländlichen Gebieten behindern den Fortschritt.
Viele der Einwohner haben keinen Zugang zu den Banken, sie besitzen kein eigenes Konto und haben sehr oft keinen Pass, der zum Eröffnen eines Bankkontos gebraucht wird.
Der Mangel an Bargeld ist für viele Menschen sogar lebensbedrohlich. Das stunden- oder sogar tagelange Anstehen vor den Banken ist vor allem für Kranke und Alte eine schwere Zumutung. Krankenhäuser lehnen Patienten mit ungültigen Rupienscheinen ab, auch die indische Mittelschicht ist betroffen.
Modi bittet die 1,3 Milliarden große Bevölkerung um mehr Geduld.

Die Wirtschaft

Die Produktivität des Landes leidet sehr unter der Krise. Fabriken müssen schliessen, weil die Arbeiter vor den Banken Schlange stehen. Die Unternehmer können deren Löhne wegen Geldmangel nicht mehr bezahlen und müssen viele Menschen entlassen.
Die Geschäfte sind leer, der Umsatz sinkt rapide. Textil- und Bekleidungs- Industrie trifft die Aktion des Staates am härtesten. Auch die lederverarbeitende Industrie ist stark betroffen.
Langsam kommen neue 2000er Rupienscheine in Umlauf, sie sind bis jetzt aber nur in den Städten vorhanden.

Tourismus

Kurz nach der Entwertung hatten auch Indienreisende mit Bargeldknappheit zu kämpfen. Da Zahlungen mit Kreditkarte aber immer möglich waren und sind, können Hotelkosten etc. immer problemlos bezahlt werden. Pauschaltouristen hatten auch während der akuten Krise wenig Probleme während ihres Aufenthaltes.
Es spricht nach wie vor nichts gegen eine Reise in Gandhis schöne Heimat!


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